Status quo

Auf dem ehemaligen Industrieareal der Brunner Glasfabrik, das seit deren Schließung im Jahr 2004 brach lag und mit großen Investitionen von Industrieabfällen und jahrzehntealten Bodenverunreinigungen gesäubert wurde, sollen in einem ersten Bauabschnitt 350 moderne Wohnungen und Grünraum entstehen. Neben attraktivem und leistbarem Wohnraum und vielfältig nutzbaren Freiflächen besteht auch ausreichend Platz für Nahversorger sowie soziale Einrichtungen wie Kindergärten oder Sportplätze. Dieses Konzept verwandelt das ehemalige Industrieareal und den damit verbundenen Schwerverkehr in einen neuen, lebenswerten Ortsteil von Brunn am Gebirge. Das Wohnbauprojekt Glasfabrik Brunn ist eine gemeinsame Initiative von 6B47 REAL ESTATE INVESTORS AG, WIENER STÄDTISCHE Versicherung AG Vienna Insurance Group, Erste gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Heimstätte Gesellschaft m.b.H. und Neue Heimat GEWOG.
Die Planung der Gesamtanlage erfolgte von Beginn an im Rahmen eines kooperativen Planungsverfahrens. Experten aus den Bereichen Raumplanung, Umwelt, Verkehr, Landschaftsplanung und Architektur entwickelten gemeinsam mit den Bauträgern, unter der Leitung eines unabhängigen Raumplaners, ein langfristiges Bebauungs- und Nutzungskonzept, welches den Vertretern der Marktgemeinde Brunn vorgestellt wurde.

Die Vorteile im Überblick

Folgende Themen in Zusammenhang mit dem Projekt Glasfabrik wurden im Diskurs mit der Marktgemeinde Brunn als wichtig erkannt:

  • Leistbares Wohnen, vor allem für jüngere und ältere BewohnerInnen von Brunn
  • Nachhaltige Ortsentwicklung durch einen neuen, lebenswerten Ortsteil
  • Förderung des öffentlichen Verkehrs und „kurzer Wege“ zwischen Arbeits- und Wohnort


Leistbares Wohnen

Braucht Brunn mehr leistbaren Wohnraum?
Ja, die Wohnungsnot in Brunn und Umgebung ist enorm. Speziell für junge Menschen aus dem Ort ist es – wie im gesamten Bezirk Mödling – sehr schwierig, leistbaren Wohnraum zu finden. Dies gilt auch für die wachsende Anzahl an älteren Bewohnern, die im Ort bleiben wollen, aber kleinere und günstigere Wohneinheiten bevorzugen.

Wird es in der Glasfabrik nur Eigentumswohnungen geben?
Nein, ein leistbares und lebenswertes Wohnungskonzept steht im Fokus der Planungen. Derzeit gehen wir von einem Verhältnis von rd. 70 Prozent Mietwohnungen zu 30 Prozent Eigentumswohnungen aus. Dies gilt auch für das Verhältnis zwischen gefördertem und freifinanziertem Wohnbau.

Wie soll „Wohnen für junge BrunnerInnen“ gesichert werden?
Die Brunner Bevölkerung kann durch eine Quotenregelung bevorzugt werden. Weiters kann es auch für eine bestimmte Anzahl von Wohnungen einen Mietpreisdeckel geben.

Welche Auswirkungen hätte eine Reduktion der Gesamtanzahl der geplanten Wohnungen?
Die angedachten Infrastruktur-Maßnahmen könnten dann nicht finanziert werden. Dies würde zum Beispiel den geplanten Radsteg über die Wiener Straße oder die Schaffung von Grünland für die BewohnerInnen und AnrainerInnen der Glasfabrik betreffen. Auch die Konzepte für junges und betreutes Wohnen können dann nicht umgesetzt werden.

Nachhaltige Ortsentwicklung

Welche Verbesserung würde die Glasfabrik für Brunn bedeuten?
Statt der für ein Ortszentrum ungeeigneten Industrieanlagen und des damit verbundenen Schwerverkehrs würde ein lebenswerter neuer Ortsteil entstehen. Der Bedarf nach einer gesteuerten Ortsentwicklung im Zentrum als auch an günstigem Wohnraum für junge Familien könnte gedeckt werden, ohne zur Zersiedelung der Landschaft beizutragen.

Ist eine große Wohnanlage im Ortszentrum überhaupt sinnvoll?
Die Anbindung des Areals an das öffentliche Verkehrsnetz als auch an die Autobahn ist schon heute hervorragend. Wie auch Erfahrungen in anderen Umlandgemeinden von Wien zeigen, ist eine Siedlungsentwicklung entlang bestehender öffentlicher Verkehrsanbindungen aus Raumplanungsicht am sinnvollsten. Weiters wurde auch schon bei der Planung der Abfahrt beim Campus 21 Augen-merk darauf gelegt, dass eine zukünftige Ortsentwicklung keine über-örtliche, zusätzliche Verkehrsbelastung für das Ortszentrum bringt. Aufgrund der früheren Nutzung als Industriegebiet ist bereits die benötigte technische Infrastruktur wie Strom- oder Wasseran-schlüsse vorhanden, auch ein Anschluss an das Fernwärmenetz wäre möglich.

Wird das Bauprojekt sich nicht negativ auf das Ortsbild auswirken?
Im Gegenteil: Die Glasfabrik ist – wie eine verbindende Brücke – als städtebauliches Element zwischen dem Campus 21 und dem Ortszentrum mit freien Sichtflächen zum Wienerwald geplant. Im Konzept sind sowohl Grünflächen an den Seiten der Anlage vorgesehen, die für sportliche Betätigung genutzt werden können, als auch Freiräume mit Wegen und Plätzen zwischen den einzelnen Bauteilen. Diese werden nicht nur die zukünftigen Bewohner der Glasfabrik, sondern auch Brunnerinnen und Brunner aus anderen Ortsteilen zum Spazieren und Verweilen einladen. Ergänzt um auto-freie Wohngassen, könnte die Glasfabrik ein Vorzeige-Modell für eine zeitgemäße, nachhaltige Ortsentwicklung werden.

Welche Maßnahmen sind begleitend geplant?
In der vollen Ausbaustufe bietet die Glasfabrik auch genügend Platz für einen Nahversorger oder einen zusätzlichen Kindergarten. Damit stünde der Brunner Bevölkerung ein zusätzliches Angebot an kommunalen Einrichtungen zur Verfügung.

Ausbau des öffentlichen Verkehrs und „kurze Wege“ zwischen Wohnen und Arbeiten


Autofreie Anlage: ja, aber wie kommen die Kinder in die Schule und die Eltern zur Arbeit?
Auf der östlichen Seite ist eine Busspur mit Haltestelle geplant und das Rad- und Fußwegenetz wird ausgebaut. Die Linienführung des örtlichen Busses soll an den neuen Ortsteil angepasst werden und somit die leichte Erreichbarkeit der U6 sicherstellen. Das Radwegenetz für den täglichen Einkauf soll durch Schnellverbindungen zu anderen regionalen Radwegen ergänzt werden. Weiters ist ein Steg im Bereich der Wienerstraße als sichere Verbindung für Radfahrer und Fußgänger angedacht, womit das Ortszentrum binnen Minuten erreichbar ist. In Kombination mit der angedachten Einrichtung von Shuttle-Bussen zum Campus 21 und zur U6-Station Siebenhirten könnte das Projekt in Zukunft mithelfen, sowohl den Eigen-Verkehr der Gemeinde Brunn als auch den Pendler-Verkehr zu reduzieren. Sammelgaragen sind an der Ost- und Westseite der Glasfabrik mit kurzen Zufahrten geplant.

Wird das Bauprojekt nicht für viel zusätzlichen Verkehr sorgen?
Die im Planungsverfahren beteiligten Planer rechnen nicht mit einer maßgeblichen Verschlechterung der bereits bestehenden Verkehrsbelastung. Würden statt des Wohnbauprojekts – der derzeitigen Widmung entsprechend – wieder Gewerbebetriebe auf dem Areal „einziehen“, wäre hingegen mit einer deutlichen Zunahme des Schwerverkehrs zu rechnen.

Sollten Gemeinden nicht in Zeiten des Klimawandels deutliche Zeichen beim Thema Verkehr setzen?
Ein Umdenken im Bereich Mobilität ist sicher notwendig, weshalb es ganzheitliche Konzepte braucht. Umso wichtiger sind die Erschließung von zentralen Ortsteilen mittels engmaschiger Fuß- und Radwege sowie die Stärkung der „sanften Mobilität“. Auch in dieser Hinsicht ist ein Wohnbauprojekt auf dem Areal der Glasfabrik einer gewerblichen Nutzung vorzuziehen, bietet es doch (in der Ausbaustufe) genügend Flächen für alltagstaugliche „Goodies“ wie Fahrrad- und Roller-Abstellplätze oder Mobilitäts-Points mit Reparaturwerkstätten oder Leihradservicestellen.